von Jan Wörlein
Zur Information
Jan Wörlein ist Diplom-Politologe und zur Zeit Doktorand an der Freien Universität Berlin und an der Universität Paris X/Nanterre. Er ist der Sohn unseres Kiwanis Freundes Till Wörlein vom KC Neuenburg e.V. Den nachfolgenden Vortrag hat er in Müllheim am 25.06.2012 gehalten. Mit Till und Jan Wörlein habe ich 2010 Nicaragua bereist. Jan spricht die Landessprache von Haiti Französich und Kreolisch und hat in den Ländern Maxico, Nicaragua und Haiti bereits während seiner Diplomarbeit gelebt. Dr. Hartmut Krone, Distrikt Sekretär
Vorwort
Am 12. Januar 2010 erschüttert ein Erdbeben die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince und ihre Umgebung. Bis zu 200.000 Menschen sterben in der Folge der Katastrophe und über eine Million Haitianer verlieren ihre Unterkunft. Noch am selben Tag läuft eine in diesem Umfang beispiellose internationale Hilfsaktion an, begleitet von einem großen globalen Medieninteresse. Heute, über zwei Jahre nach dem Erdbeben von Haiti ist das karibische Land weitgehend aus den Nachrichten verschwunden. Einzig die Choleraepidemie, die seit Oktober 2010 das Land heimsucht, hatte zwischenzeitlich wieder Bilder der leidenden haitianischen Bevölkerung ins öffentliche Gedächtnis gerückt. Wie hat sich Haiti seitdem mit internationaler Hilfe entwickelt und welche Bedingungen haben erst zu der Katastrophe geführt? Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die Vorgeschichte der Katastrophe gegeben werden, um dann zu einer kleinen Bilanz der Katastrophenhilfe zu kommen.
Eine gemachte Katastrophe
Für eine Beurteilung der Katastrophenursache und der internationalen Katastrophenhilfe ist es allerdings zunächst nötig einen kursorischen Blich auf die haitianische Geschichte zu, denn Naturkatastrophen sind keine schicksalhaften Ereignisse, die von außen auf Gesellschaften hereinbrechen. Vielmehr sind sie das Resultat des Zusammenwirkens historischer gewachsener Verwundbarkeit und physikalischer Vorgänge. Gerade am Fall Haitis, dem häufig zitierten „ärmsten Land der westlichen Hemisphäre“ zeigt sich wie Armut, Abhängigkeit, aber auch die negative Wahrnehmung von Land und Bevölkerung fatale Konsequenzen haben.
Haiti, einst reichste Kolonie der Welt und Laboratorium kapitalistischer Produktionsweise, leidet noch heute unter den Auswirkungen einer für zweihundert Jahre auf Sklavenhandel ausgerichteten Plantagenwirtschaft. Nach der Ausrottung der indigenen Landbevölkerung waren seit dem 17. Jahrhundert massiv Sklaven in die seit 1697 französische Kolonie verschleppt worden. Sie wurden mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von drei Jahren in einer hochproduktiven, arbeitsintensiven Landwirtschaft „verwendet“, die kurz vor der französischen Revolution zwei Drittel der gesamten französischen Importe bestritt. In den Wirren der französischen Revolution und durch einen erfolgreichen Sklavenaufstand gelang es der schwarzen Bevölkerungsmehrheit schließlich sich sukzessive seit 1791 aus der Sklaverei zu befreien und 1804 wurde nach einem erfolgreich abgewehrten Invasionsversuchs Napoleons die Unabhängigkeit der Republik Haitis ausgerufen.
Zerstört durch einen brutalen Bürger- und Unabhängigkeitskrieg, international als „Sklavenrepublik“ isoliert und durch die auf Zwangsarbeit gebaute Wirtschaft in seiner Entwicklung behindert, gelang es Haiti nicht sich innerhalb des 19. Jahrhunderts zu konsolidieren. Frankreich hatte als Preis der Anerkennung des Staates eine hohe Reparationsforderung eingefordert, welche den Staatshaushalt nachhaltig überschuldete. Aber auch die Konfliktstellung zwischen der armen schwarzen Landbevölkerung und der urbanen „mulattischen“ Handelselite, ebenfalls ein Erbe der Kolonialherrschaft, sorgte für andauernde politische Instabilität. Nach einer Phase großer politischer Unruhen sowie aus geostrategischen Interesse besetzten 1914 US-amerikanische Truppen die Insel. Unter der US-amerikanischen Herrschaft wurde aus rassistischen Überlegungen abermals Zwangsarbeit eingesetzt um Infrastrukturprojekte zu verwirklichen. Dadurch wurde der Grundstein für die Zentralstellung und das spätere Wachstum Port-au-Prince gelegt, dass Problem der Armut und mangelnden wirtschaftlichen Entwicklung jedoch nicht bekämpft. Nach der Beendigung der Besatzung bestand so auch lediglich eine kurze Periode politischer Stabilität, auf die schließlich die Diktatur von Francois Duvalier und seinem Sohn Jean-Claude folgte. Erst 1986 gelang die Beendigung der brutalen und ökonomisch desaströsen Herrschaft der lange von den USA gestützten Diktatoren. Der in der Folge 1991 demokratisch gewählte Präsident Aristide konnte sich lediglich ein Jahr im Land halten und wurde erst 1994 wieder mit Hilfe US-amerikanischer Truppen wieder ins Amt eingesetzt. Eine der Bedingungen für seine Wiedereinsetzung war die radikale Öffnung des Landes für US-amerikanische Produkte. Insbesondere der hochsubventionierte US-amerikanische Reis führte zum Zusammenbruch der heimischen Reisproduktion Mitte der 90er Jahre. Das ehemals reisexportierende Land wurde so innerhalb weniger Jahre zu einem der größten Reisimporteure der USA. Diese Entwicklung sowie die erzwungene Keulung aller haitianischen Schweine nach einem Schweinepestausbruch in den 1980er Jahren führte zum Einbruch des Landwirtschaftssektors, der die Hauptstadt Port-au-Prince innerhalb weniger Jahre massiv anwachsen ließ. Erneute politische Unruhen in 2004, die den Präsidenten Aristide in Exil zwangen und schwere Hurricanes in 2004 und 2008 führten zu weiteren Landfluchten.
Als Folge dieser historischen Prozesse befand sich das Land kurz vor dem Erdbeben in einer äußerst schwierigen Lage. Die Landbevölkerung war extrem verarmt und die Städte insbesondere Port-au-Prince innerhalb zweier Jahrzehnte enorm gewachsen. Ein Drittel der haitianischen Bevölkerung konzentrierte sich in und um die Hauptstadt. Biddonvilles, große Slums mit unklaren Eigentumsverhältnissen dominierten das Stadtbild. Die Topographie der Stadt führte zudem zu großen Siedlungen in extremen Hanglagen. Das enorme Bevölkerungswachstum in den Städten hatte schließlich auch zu einer Abholzung aller Wälder der umliegenden Hügel geführt. Als die Erde bebte war die Großkatastrophe so unvermeidlich.
Das internationale Hilfsmanagement
Wie wurde von der internationalen Gemeinschaft auf diese Großkatastrophe reagiert? Wer war in Haiti aktiv und wie funktionierte das Hilfsmanagement?
Bereits vor dem Erdbeben war Haiti durch internationale Not- und Entwicklungshilfe geprägt. UN-Truppen waren kontinuierlich seit 1994 in Haiti und seit 1997 waren zudem immer mehr Nicht-Regierungsorganisationen in das Land gekommen. Die schwierige politische Situation und die begrenzten Ressourcen des haitianischen Staates führt zu einer Dominanz internationaler Hilfe im gesamten Wohlfahrtsstaatlichen Bereich. Vielfach wurde Haiti als die „Republik der NGOs“ bezeichnet, um auf den Umstand hinzuweisen, dass kein anderes Land der Welt eine ähnlich hohe Dichte von Hilfsorganisationen besitzt. Die Nähe zu den USA, eine fehlende Visumspflicht und das globale Medieninteresse führten unmittelbar nach der Katastrophe zu einer noch größeren Welle an internationalen Organisationen. Bis zu 10.000 Organisationen arbeiteten zeitweise in Haiti gearbeitet, welches selbst nur eine Einwohnerzahl von 10 Millionen hat. Der haitianische Staat stellt demgegenüber keine Instanz dar, die aktiv diese große Anzahl von Akteuren im Wiederaufbauprozess leiten kann. Nicht nur hat er laut VN lediglich ein Prozent der humanitären Hilfe verwaltet und etwa 20 % seiner Mitarbeiter verloren, sondern er wurde auch nur sehr begrenzt in Entscheidungsfindungsprozesse eingebunden; stets mit dem Verweis auf eine hohe Korruption staatlicher Stellen. So konnte beispielsweise der Großteil der ONGs zu keinem Zeitpunkt beim zuständigen Ministerium registriert sein, obwohl dieser Vorgang rechtlich bindend ist. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist es schwer zu rekonstruieren, wer alles in Haiti war und welche Projekte stattgefunden haben. Ein großer Teil der Hilfsgelder verschwindet deshalb auch unkontrolliert in der Hilfsbürokratie der Organisationen; in Autos, Büroeinrichtungen und Gehältern von internationalen Helfern, die Arbeiten verrichten, die auch durch Haitianer erbracht werden könnten.
Das internationale Hilfsmanagement besitzt hingegen kaum eine formelle Organisationsweise. Die Vereinten Nationen versuchen zwar die Koordinierung zu leiten, doch letztendlich ist keine Organisation zur Zusammenarbeit gezwungen. Das Ergebnis sind Parallelstrukturen, Ineffizienz und Konkurrenzprojekte.
Bereits die Vereinten Nationen sind in zwischen ihrem militärischen Arm, der sogenannten MINUSTAH Blauhelmtruppen und den zivilen Organisationen in zwei Teile gegliedert. Darüber hinaus existierte neben der haitianischen Regierung die sogenannte Interimskommission zum Wiederaufbau, die mit nur geringer Beteiligung von Haitianern den größten Wiederaufbaufond koordinierte. Die hohe Zahl von Nicht-Regierungsorganisationen ist ein Teil der internationalen Hilfe, der zum Teil nur der jeweils eigenen Projektlogik folgt. Schließlich bilden die nationalen Organisationen - allen voran die US-amerikanische Hilfsagentur USAID, aber auch die deutsche GIZ - eine weitere Ebene des Hilfsmanagements, die nicht notwendigerweise den gleichen Interessen folgt. Die humanitäre Regierung, die sich aus diesen Teilen zusammensetzt hat kein gemeinsames Entscheidungsorgan und vor allen keinerlei demokratische Legitimation.
Das führt dazu, dass viele Haitianer Hilfspolitiken unterworfen sind, die sie selbst nicht beeinflussen. Neben der bereits erwähnten Ineffizienz ist dies das zweite große Problem der internationalen Katastrophenhilfe in Haiti.
Schließlich stellt die anfängliche Anwesenheit von US-Truppen und die Dauerpräsenz der UN-Friedenstruppen und die damit einhergehende Militarisierung der Hilfe ein drittes Problem der internationalen Hilfe dar. Trotz der wissenschaftlich seit langem dokumentierten Erkenntnis, das nach einer Katastrophe nicht eine Phase der gewaltsamer Anarchie folgt, sondern soziale Konflikte zunächst eher gedämpft werden, wurde nach der Katastrophe durch die USA zunächst militärisches Equipment eingeflogen und das UN-Truppenkontingent aufgestockt. Panzer patrouillierten noch bis vor kurzem die Straßen von Port-au-Prince. Dem gegenüber steht eine Kriminalitätsrate, die weit unter den meisten Städten Lateinamerikas liegt. Schließlich waren insbesondere die VN-Truppen in eine Reihe von Missbrauchskandale und in das Entstehen der Choleraepidemie verwickelt. Neben der mangelnden demokratischen Legitimierung erweckt so die Anwesenheit von Soldaten in den Augen vieler Haitianer den Eindruck eines Besatzungsregimes statt einer Hilfsaktion.
Mangelnder Wohnraum
Einer der Bereich, in denen die Legitimitäts-, Koordinierungs-, und Effizienzprobleme des Katastrophenmanagements sehr deutlich wurde, war die Lage derjenigen, die ihr Haus nach dem Erdbeben verloren hatten. Bis zu 1,3 Millionen Personen campierten nach dem Beben in Notunterkünften auf den Parks und öffentlichen Plätzen Port-au-Prince und seiner Nachbarstädte. Die Maßnahmen der internationalen Hilfe konzentrierten sich zunächst auf die Instandhaltung der Camps und auf die Sicherstellung der Versorgung und der Sanitäranlagen. Jedoch gelangten nur wenige Mittel tatsächlich zu den Betroffenen in den Camps. Schätzungen gehen von 2- 10 % der mehrere Milliarden hohen Hilfe aus, die 2010 tatsächlich für konkrete Hilfe verwendet wurden. Gegen Ende 2010 waren nur 40 % der Camps mit Toiletten versorgt und 30 % hatten einen Zugang zu Wasser. Viele Organisationen keine oder nur wenig Erfahrung mit der Verwaltung von Camps. Mangelnde Sprachkenntnisse erschwerten zudem die Berücksichtigung der Bedürfnisse der obdachlosen Bevölkerung, denn nur ein Bruchteil der Hilfskräfte spricht die Landessprache Kreyol. Vielfach ist der Dialog zwischen Helfenden und Betroffenen aber auch nicht vorgesehen. Als Resultat wurden noch 2012 Notunterkünfte errichtet, die lokalen Klimaverhältnissen nicht angepasst sind und eine Lebensdauer von nur wenigen Jahren haben. Hilfsinitiativen haben zudem die wenigen neuen Unterkünfte außerhalb der Stadt in ariden Gebieten ohne Anbindung und Erwerbsmöglichkeiten errichtet. Wohngebiete, die sich bereits jetzt rasant zu Slums entwickeln. Der Bau von Häusern im urbanen Raum von Port-au-Prince ist hingegen bisher kaum angelaufen. Aufgrund der schwierigen Eigentumsverhältnisse wagen nur wenige Organisationen Projekte in diesem Sektor, der auch keine kurzfristigen Erfolge verspricht. Es ist aber insbesondere die mangelnde Steuerung der Hilfsgelder, die diese Entwicklung begünstigt.
Noch Mitte 2011 waren 600.000 Menschen in Camps und erst seit Beginn dieses Jahres fällt die Zahl deutlich. Die komplette Einstellung der Unterstützung der Camps mit dem Ende vieler Hilfsgelder und die Zunahme von Vertreibungen durch private Landbesitzer, aber auch durch den Staat sind der Grund. Es gibt jedoch keine verlässlichen Zahlen, wohin die Bewohner ziehen. In Abwesenheit von koordinierten Hausprojekten ist die Rückkehr in Slums und in bereits überfüllte Siedlungen im Umland die wahrscheinlichste Möglichkeit.
Die Cholera
Ein weiteres Problem, welches die Fehler des internationalen Hilfsmanagements auf dramatische Weise verdeutlichte ist die grassierende Cholera-Epidemie. Im Oktober 2010 brach unweit einer Kaserne der VN-Friedenstruppen MINUSTAH in der Mitte des Landes die in Haiti bis dahin unbekannte Cholera aus, die schnelle das ganze Land erfasste. Bis zum heutigen Datum sind etwa 530.000 Menschen infiziert gewesen und 7000 Menschen an der Krankheit gestorben. Haiti ist das Land mit der größten Cholera-Epidemie der Welt. Die mangelnde Hygiene in überfüllten Stadtvierteln und Camps und das nur eingeschränkt funktionierende Gesundheitssystem hatten den raschen Ausbruch begünstigt. Doch führte auch die mangelnde Koordination internationaler Organisationen untereinander und vor allem mit dem haitianischen Staat zu einer nur halbherzigen Eindämmung.
Es ist jedoch der Ursprung der Epidemie, der für heftige Kontroversen geführt hat. Wie mehrere medizinische Forschungsinstitute - darunter das US-amerikanische Center of Disease Control (CDC) - bestätigt haben handelt es sich bei dem haitianischen Choleraerreger um einen nepalesischen Bakterienstamm. Dies und der Umstand, dass der erste Ausbruch nur wenige hundert Meter neben einer Stelle an einem Fluss erfolgte, an der UN-Friedenstruppen nepalesischer Herkunft illegal Abwässer entsorgten, lassen darauf schließen, dass die Vereinten Nationen die Cholera nach Haiti eingeschleppt haben. Auch der Sonderbeauftragte für Haiti Bill Clinton geht von dieser Version aus. Die Vereinten Nationen sprechen bisher hingegen von unklaren Ergebnissen. Mittlerweile wurden 5000 Beschwerden von Cholera-Opfern bei der VN-Zentrale in New York eingereicht.
Neuere medizinische Studien lassen darauf schließen, dass der Erreger inzwischen mutiert ist und sich an lokale Bedingungen angepasst hat. Die Cholera wird somit noch eine Weile in Haiti wüten. Es gehört zu den wohl größten Widersprüchen der internationalen Hilfe, dass sie Haiti die Cholera gebracht hat.
Wirtschaftliche Hindernisse
Neben der Abwesenheit von Hausbauprojekten und der Cholera ist die fehlende wirtschaftliche Perspektive ein weiteres Problem der internationalen Hilfe. Der schlechte Ruf Haitis und die historisch entstandene wirtschaftliche Isolierung des Landes hat lange Zeit eine Einbindung in Weltmärkte und eine Industrialisierung verhindert. Die Entwicklungsinitiativen der USA, wie die radikale Öffnung des Landwirtschaftssektors, hat außerdem die schwierige wirtschaftliche Lage erst hervorgerufen. Die bisherigen Impulse der internationalen Gemeinschaft für die wirtschaftliche Zukunft des Landes lassen allerdings auch jetzt nicht auf eine Änderung hoffen. Zaghafte Tourismuswerbekampagnen in einem Land ohne entsprechende Infrastruktur sowie isolierte Investitionen in Billiglohnproduktion in der Textilbranche versprechen keine nachhaltigen Entwicklungsimpulse und zudem eine große Abhängigkeit von Weltmarktpreisen. Das extrem niedrige Lohnniveau in Haiti wird dabei als Standortvorteil gegenüber China, Bangla Desh und Zentralamerika gesehen. Konkret führt diese Perspektive allerdings dazu, dass die Obama-Regierung laut den Wikileaks-Papieren eine Tradition der Clinton-Regierung fortgesetzt haben soll und eine Erhöhung des Mindestlohns von etwa vier auf fünf Dollar pro Tag mit diplomatischen Druck verhinderte. Das Resultat mag einiege Arbeitsplätze schaffen, ob der hohe Preis einer menschenunwürdigen Bezahlung diese rechtfertigt sei allerdings dahin gestellt.
Zusammenfassend lässt sich trotz der massiven Präsenz internationaler Akteure in Haiti keine wirtschaftliche Entwicklungsstrategie erkennen. Schließlich hat jedoch auch die aktuelle haitianische Regierung, die im Katastrophenjahr 2010 unter internationaler Beobachtung in einer stark kritisierten Wahl eingesetzt wurde, ebenfalls keine entsprechende Strategie vorgelegt.
Die Bilanz der Hilfe
Zwei Jahre nach der Katastrophe und einer gewaltigen Mobilisierung von Hilfsressourcen kann das internationale Hilfsmanagement in Haiti nur sehr wenige Erfolge verbuchen. Die Entfernung von Schutt, die Instandsetzung und der Ausbau von Teilen des Gesundheitssektors und einige Bildungsprojekte sind Beispiele hierfür. Das Ziel eines Wiederaufbaus oder eine allgemeine Verbesserung der Lebenslage der Haitianer wurde jedoch bisher weitgehend verfehlt. In einigen Bereichen, die hier skizziert wurden, hat das Hilfsmanagement sogar die Situation verschlimmert. Die internationale Hilfe scheitert dabei regelmäßig an ihren eigenen Widersprüchen. Solange sie den Staat nicht einbindet, den sie entwickeln möchte, solange sie die Menschen nicht mitentscheiden lässt, denen sie helfen möchte und solange sie sich nicht unter Aufgabe von Eigeninteressen einer Steuerungsinstanz anvertraut, kann das Ergebnis sie die eigenen Ziele kaum erfüllen. Geldgeber sollten dies in ihrer Entscheidung berücksichtigen, sind sie doch diejenigen die Zielsetzungen mit ihrer Spendenentscheidung beeinflussen können.
Rechnungslegung / Rechnungsprüfung für KIWANIS Clubs
Entsprechend den Bestimmungen des § 21 Vereinsgesetz (VerG) hat das Leitungsorgan (der Vorstand als Gremialorgan) dafür zu sorgen, dass die Finanzlage des Vereins rechtzeitig und hinreichend erkennbar ist. Der Vorstand hat daher ein entsprechendes Rechnungswesen einzurichten und insbesondere für die laufende Aufzeichnung der Einnahmen und Ausgaben zu sorgen. Zweckmäßig wäre die Erstellung eines Budgets zu Jahresbeginn, um eine mögliche Überschreitung der Ausgaben über die Einnahmen rechtzeitig sichtbar zu machen.
Das Budget sollte in ein Vereins- (Verwaltungs-) und ein Charity-Budget gegliedert sein, mit getrennten Bank- und Buchhaltungskonten. Andernfalls besteht die Gefahr der zweckentfremdeten Verwendung von Charity-Geldern. Ein Polster für unerwartete Ausgaben schadet nicht, aber wenn sich zu hohe Rücklagen gebildet haben (d.h. ein Überschuss von 2 Jahren), könnte den Status der Gemeinnützigkeit gefährden, vor allem wenn noch nicht klar ist, wofür die Rücklagen verwendet werden.
Der Vorstand hat innerhalb von fünf Monaten nach Ende des Rechnungsjahres, eine Einnahmen- und Ausgabenrechnung samt Vermögensübersicht zu erstellen.
Betreibt ein KIWANIS-Club einen Geschäftsbetrieb („Erwerbsbetrieb“), das sind Punschstände, Veranstaltungen (z.B. Bälle, Konzerte), Inserate in Vereinsbroschüren über 25 % der Seitenzahl, Warenverkäufe über dem Selbstkostenpreis etc., so unterliegt der Verein mit diesen Einnahmen der Körperschaft- und Umsatzsteuer. Liegen die Einnahmen des Geschäftsbetriebs unter € 40.000,00 (netto) p.a. und werden die Überschüsse aus diesem Erwerbsbetrieb dem begünstigten Vereinszweck zugeführt, kommt es allerdings nicht zum Verlust der Gemeinnützigkeit des Vereins.
Übersteigen die Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb € 40.000,00 (netto), muss beim zuständigen Finanzamt um eine Ausnahmegenehmigung angesucht werden, damit für die übrigen Einnahmen des Vereins (also Mitgliedsbeiträge, Sachspenden, Geldspenden, Subventionen, Bausteinaktionen, Erbschaften) die Steuerfreiheit erhalten bleibt. Für die Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb und den damit zusammenhängenden Ausgaben gelten zusätzlich die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung entsprechend den Bestimmungen der BAO. Daher sind Mitgliedsbeiträge, Spenden usw. auf vom Erwerbsbetrieb getrennten Konten zu führen.
Innerhalb von vier Monaten ab Erstellen der Einnahmen- und Ausgabenrechnung haben die Rechnungsprüfer die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung und die statutengemäße Verwendung der Mittel zu prüfen. Jeder KIWANIS-Club hat zwei Rechnungsprüfer zu bestellen. Sofern die Statuten nichts anderes vorsehen, werden die Rechnungsprüfer für ein Jahr bestellt. Ihre Auswahl obliegt ausschließlich der Mitgliederversammlung. Die Rechnungsprüfer müssen unabhängig und unbefangen sein, es dürfen keine Mitglieder des Vorstandes zu Rechnungsprüfern bestellt werden.
Der Bericht der Rechnungsprüfer hat entweder die Ordnungsmäßigkeit und die statutengemäße Verwendung der Mittel zu bestätigen oder festgestellte Gebarungsmängel aufzuzeigen. Auf ungewöhnliche Einnahmen oder Ausgaben und In-sich-Geschäfte des Vorstandes ist besonders hinzuweisen. Die Rechnungsprüfer sind ausschließlich den Mitgliedern des KIWANIS-Clubs berichtspflichtig, selbst wenn sie erhebliche Unregelmäßigkeiten feststellen!
Unangemessene Ausgaben im Sinne einer Begünstigung von Mitgliedern oder Vereinsvorständen oder Dritten können steuerrechtlich als verdeckte Gewinnausschüttung angesehen werden, wobei ich persönlich schon Bedenken im Hinblick auf die Gemeinnützigkeit habe, wenn Charity-Einnahmen für einen Clubausflug oder eine -feier verwendet werden.
Abschließend wird auf die Bestimmung des § 24 VerG verwiesen:
„Verletzt ein Mitglied des Vereinsorgans unter Missachtung der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Organwalters seine gesetzlichen oder statutarischen Pflichten oder rechtmäßige Beschlüsse eines Vereinsorgans, so haftet es dem Verein für den daraus entstandenen Schaden; dies gilt sinngemäß auch für Rechnungsprüfer.“ Aufgrund einer Novelle mit Wirksamkeit ab 1.1.2012 ist jedoch die Haftung bei unentgeltlicher Tätigkeit des Vereinsorgans auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit eingeschränkt worden.

Per Definition ist Freude eine sehr persönliche, innere und spontane positive emotionale Reaktion, ausgelöst durch Taten, Situationen, Personen oder aber auch durch Erinnerungen. Freude als Zustand der persönlichen Beglückung wird durchaus in verschiedenen Richtungen und Stärken erlebt und bringt letztlich ein Gefühl der inneren Zufriedenheit zum Ausdruck.
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es", sagte Erich Kästner. Immer mehr Menschen haben sich dieses Zitat zur Lebensdevise gemacht und entwickeln kontinuierlich Ideen, wie sie Gutes in die Welt bringen könnten. Engagiert und couragiert. Unabhängig von der Zugehörigkeit zu Organisationen. Ob in Service-Clubs, in kirchlichen oder weltlichen non-profit Organisationen oder bei Einsatzorganisationen, basierend auf ehrenamtlichem Engagement.
In einer unlängst erhaltenen Presseaussendung wurde auf das Freiwilligenjahr 2011 hingewiesen: „egal ob bei der Feuerwehr und Rettungsorganisationen, in Sportvereinen, Bürgerinitiativen, in der Nachbarschaftshilfe oder in der Politik. Freiwilliges Engagement ist eine derart wichtige Stütze unserer Gesellschaft, dass die Europäische Union dies zum Jahresthema 2011 gemacht hat. Mit knapp 44 Prozent Freiwilligen in der Bevölkerung über 15 Jahren liegt Österreich laut einer EU-weiten Erhebung zusammen mit den Niederlanden und Schweden an der Europaspitze“.
Freiwillige vor
Die gesellschaftliche Entwicklung ist heute wesentlich geprägt von einer zunehmenden Globalisierung der Lebenswelt, von ständigen Veränderungen und Ungewissheiten, die sich in einer Lockerung der traditionellen Bindungen zu Familie, Glauben etc. bemerkbar machen. Doch gerade in unseren derzeit wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigt sich nun, dass freiwilliges Engagement wieder eine stärkere Bedeutung bekommt und dass der Kontakt unter Nachbarn oder in den Gemeinden enger wird. Menschlichkeit ist wieder gefragt und soziale Tugenden wie Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft scheinen gerade auch bei jungen Menschen auf dem Vormarsch zu sein.
Kein Dorf, keine Stadt, kein Land und keine Gesellschaft kommt ohne den gemeinschaftlichen Unterbau von selbstorganisierten Netzwerken auf ehrenamtlicher Basis aus. Das Ehrenamt – als übergeordneter Begriff für jedwedes soziale Engagement - ist schon jetzt bedeutsam für die Gesellschaft, es wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Über das Ehrenamt wird vieles geleistet, was unsere Gesellschaft und das Leben der Menschen sicherer, angenehmer, mobiler, erfolgreicher, freudvoller und heller macht. Und jeder ehrenamtlich Tätige (m/w) ist – mitunter aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet - ein Teil davon!
In mancher Hinsicht sind Menschen einzigartig. Nur sie verfügen unter allen Lebewesen über Geist und Intelligenz, können denken, verstehen und schöpferisch sowie freudebringend arbeiten. Der Mensch verfügt über die dafür notwendige geistige Freiheit, kann Entscheidungen treffen und ist in der Lage bewusst Gutes tun und dafür auch die Verantwortung zu übernehmen. In ihrem Tun stehen Ehrenamtliche daher in einer besonderen Verantwortung im Sinne von „Freude daran zu haben, Gutes zu tun“.
Gutes tun und Freude haben
Ehrenamtlich tätige sind Menschen, die mehr tun, als sie eigentlich tun müssten. Es ist eine Geschichte von Personen, die sich in vorbildlicher Weise der herausragenden Kultur des persönlichen Dienens und Helfens in unserem Heimatland widmen und daher eine tragende Säule unserer Gesellschaft einnehmen.
Nutzen wir alle daher unser Engagement, unseren Geist und unsere Intelligenz dazu, um uns mit persönlicher Qualität im täglichen Miteinander auch weiterhin auf den Weg zu machen, Gutes zu tun und Freude daran zu haben - im Zusammenfluss von Gedanken und Talenten von Vielen. Denn: ehrenamtliches Engagement ist Impulsgeber, ist bereichernd, baut Brücken innerhalb einer Gesellschaft und zwischen Gesellschaften und bringt neben Hilfe vor allem persönliche Freude.
Thomas Meier